Fokussierte Aufmerksamkeit

 

 

Heute wird oft darüber geklagt, dass Kinder und Jugendliche sehr unkonzentriert sind, sich durch Smartphones und Musikberieselung schnell ablenken lassen und keine Ausdauer haben, etwas gründlich zu erlernen. Auch die mangelnde körperliche Koordination durch Bewegungsmangel wird häufig konstatiert. Zu welchen Leistungen gerade junge Menschen fähig sein können, wenn sie ihre Aufmerksamkeit nur richtig fokussieren, wird in folgender Geschichte deutlich.

 

► In einem sehr feinen englischen Country-Club begehrt ein relativ unscheinbarer junger Mann um Aufnahme. Zum Aufnahmeritual gehört eine Runde Golf auf der gepflegten Clubanlage. Zum vereinbarten Termin wird zuerst Tee getrunken. Die Cluboberen wundern sich schon, dass der Proband einen Feldhockeyschläger, einen Eishockeyschläger und einen Billardqueue dabei hat. Aber mit britischer Gelassenheit ließ man ihn gewähren. Die Verwunderung war allerdings groß, als der junge Mann nach einer kurzen Konzentrationsphase mit dem Feldhockeyschläger einen Wahnsinnsabschlag hinlegt. Anschließend befördert er den Ball mit dem Eishockeyschläger aufs Grün und puttet dann aus acht Meter Entfernung mit dem Billardqueue ein. So geht das Loch um Loch. Nach der 68. Runde gehen die Cluboberen etwas verwirrt mit ihm in die Clubbar. Dort bestellt der junge Mann einen Scotch Soda. Er besteht jedoch darauf, diesen selbst zu mischen. Er stellt das Sodaglas auf den Tresen und stellt sich in zwei Meter Entfernung mit dem Rücken zum Tresen auf. Er konzentiert sich kurz und schüttet den Scotch über seine Schulter genau ins Sodaglas. Über diese neuerliche Demonstation einer unglaublichen Fähigkeit, Körperbewegungen zielgerichtet koordinieren zu können, ist er einem Hagel von Fragen ausgesetzt. Der junge Mann erklärt, dass  er das Talent dazu schon immer besitze und diese Fähigkeit von Kindheit an trainiert habe. Mit der Zeit sei es langweilig geworden und so habe er sich angewöhnt, alles, was mit Körperbewegungen und Koordination zu tun hat, auf die schwierigste mögliche Art zu tun. Er spiele Tennis grundsätzlich mit Tischtennisschlägern, Tischtennis mit Badmintonschlägern usw.

"Augenblick", unterbricht ihn der Clubvorsitzende, "Sie sagen, Sie machen alles, was mit Körperbewegungen zu tun hat, auf die schwierigste mögliche Weise. Da habe ich mal eine Frage..."

Da unterbricht ihn der junge Mann: "Ich weiß, was Sie mich fragen wollen. Das fragen mich alle. Also, das mache ich stehend. In der Hängematte."

 

 

Quelle: "Das Ha Handbuch der Psychotherapie" von Bernhard Trenkle